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Klimaanpassung auf verschiedenen räumlichen Ebenen

Die hohe Frequenz mit der die Schlagwörter Klimawandel und Klimaschutz sowohl in den aktuellen politischen als auch öffentlichen Debatten auftauchen, zeigt die Brisanz der Thematik. Planerisches Handeln ist für die Reduzierung der Vulnerabilität sowie den gezielten Aufbau von Klimaschutz- und Anpassungskapazitäten gegenüber den Einwirkungen des Klimawandels von zentraler Bedeutung. Auch die Studie der Weltbank "The Global Monitoring Report 2008", die den Klimawandel und die Millenniumsentwicklungsziele zum zentralen Gegenstand hat, kommt zu dem Schluss, dass ein wesentliches Handlungsfeld für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels die Entwicklung adaptiver Stadtentwicklungs- und Urbanisierungsprogramme ist (vgl. World Bank 2008).

In Deutschland hat sich der Deutsche Städtetag mit dem Thema Anpassung an den Klimawandel auseinandergesetzt und Empfehlungen und Maßnahmen für Städte in einem Positionspapier zusammengestellt. (Positionspapier Klimawandel 2012)

Bei Klimaanpassungsstrategien sollte zumindest zwischen EU-, nationaler, regionaler und kommunaler Ebene differenziert werden.

Anpassung an den Klimawandel auf europäischer Ebene:

Das Weißbuch „Anpassung an den Klimawandel: Ein europäischer Aktionsrahmen“ von 2009 sieht zahlreiche Maßnahmen vor, die zum Großteil durchgeführt wurden. Ein wichtiges Ergebnis war die europäische Internet-Plattform für Klimaanpassung (Climate-ADAPT), die im März 2012 ins Netz gestellt wurde. Sie enthält die neuesten Daten zu Anpassungsmaßnahmen in der EU sowie mehrere hilfreiche Instrumente zur Politikunterstützung. Die EU hat damit begonnen, das Thema Anpassung in mehrere ihrer Politiken und Finanzierungsprogramme zu integrieren. Bislang haben 15 EU-Mitgliedstaaten eine Anpassungsstrategie angenommen.

Weitere Strategien sind derzeit in Arbeit. Auf einige der angenommenen Strategien folgten bereits Aktionspläne, und bei der Einbeziehung von Anpassungsmaßnahmen in sektorale Politiken sind Fortschritte zu verzeichnen.

Es gibt Beispiele für gemeinsame Anpassungsprojekte europäischer Länder oder Kommunen, von denen einige von der EU, beispielsweise im Rahmen von LIFE, kofinanziert werden. Besonders im Rahmen der Kohäsionspolitik werden zahlreiche grenzübergreifende, transnationale oder interregionale Anpassungsprogramme und -projekte kofinanziert, namentlich im Zuge der makroregionalen Strategien im Donau- und im Ostseeraum. Einige Städte haben umfassende Anpassungsstrategien oder spezifische Aktionspläne (z. B. für Prävention, Hochwassermanagement oder Wasserwirtschaft) verabschiedet oder sind dabei, dies zu tun.

Am 29. April 2013 wurde nun eine EU Strategie zur Anpassung an den Klimawandel vorgestellt, welche die Ziele der EU zur Klimaanpassung weiter verfestigen soll.

Das allgemeine Ziel der Anpassungsstrategie der EU besteht darin, einen Beitrag zur Stärkung der Klimaresilienz Europas zu leisten. Das bedeutet, die Vorsorge und das Reaktionsvermögen in Bezug auf die Auswirkungen des Klimawandels auf lokaler, regionaler, nationaler und EU-Ebene zu verstärken, ein kohärentes Konzept zu entwickeln und die Koordination zu verbessern.

Im Mittelpunkt der Strategie stehen kostengünstige Anpassungsoptionen, die Wirtschaft und Klima zugutekommen sollen.

Anpassung an den Klimawandel auf nationaler Ebene:

Auf nationaler Ebene ist die vom Bundeskabinett am 17. Dezember 2008 beschlossene „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel" zu nennen. In der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel heißt es: „Räumliche Planung kann mit den bereits bestehenden rechtlichen und planerischen Instrumenten sowohl Klimaschutz als auch Anpassung unterstützen. Möglicherweise häufiger auftretende Naturgefahren können dazu führen, dass natürliche Ressourcen nur noch eingeschränkt genutzt werden können. Gleichzeitig besteht ein hoher Nutzungsdruck, da Anpassungsmaßnahmen oft ebenfalls Raum beanspruchen. Die Raumplanung kann mit der Entwicklung von Leitbildern für anpassungsfähige und belastbare (resiliente) Raumstrukturen eine Vorreiterrolle übernehmen, die gegenüber den Auswirkungen aller gesellschaftlichen Veränderungsprozesse auf die Raumstruktur robust und flexibel reagiert" (Bundesregierung 2008: 42). Diesem Verständnis folgend werden auch von der Bauministerkonferenz Klimaschutz, Klimaanpassung und der demographische Wandel als untrennbare Elemente einer integrierten Stadtentwicklung angesehen (ARGEBAU 2008). Dies gilt auch für das Handlungskonzept der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) Raumordnung und Klimawandel (MKRO 2013)

Die Deutsche Anpassungsstrategie wird seid dem 31. August 2011 durch den Aktionsplan Anpassung ergänzt und konkretisiert.

Der Aktionsplan unterlegt die in der DAS genannten Ziele und Handlungsoptionen mit spezifischen Aktivitäten. Die Erstellung des Aktionsplans erfolgte in enger Abstimmung mit den Ländern und wurde durch einen Dialog- und Beteiligungsprozess mit Kommunen, Wissenschaft und gesellschaftlichen Gruppen begleitet. Der Aktionsplan Anpassung stellt vor allem Aktivitäten des Bundes in den kommenden Jahren vor, die vier handlungsfeldübergreifenden strategischen Säulen zugeordnet sind:

  • Säule 1: Wissen bereitstellen, Informieren, Befähigen
  • Säule 2: Rahmensetzung durch den Bund
  • Säule 3: Aktivitäten in direkter Bundesverantwortung
  • Säule 4: Internationale Verantwortung 

Anpassung an den Klimawandel auf Länder- und regionaler Ebene:

Neben der Bundesregierung haben auch einzelne Bundesländer eigene Anpassungsstrategien entwickelt und Forschungsprojekte initiiert (vgl. für einen Überblick www.anpassung.net).

Darüber hinaus werden vom BMVBS/BBSR "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel" ("KlimaMoro") als Modellvorhaben der Raumordnung gefördert.

Im Modellvorhaben Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel (KlimaMORO) wurden von Juni 2009 bis März 2011 regionale Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien mittels Anwendung und Weiterentwicklung des raumordnerischen Instrumentariums in acht Modellregionen sowohl integriert als auch sektorspezifisch entwickelt. Ziele waren die Formulierung regionaler Klimawandelstrategien und erste Umsetzungsschritte

In einer zweiten Phase des Modellvorhabens "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel" werden die erarbeiteten Ansätze in thematisch fokussierten Projekten vertieft und umgesetzt, wozu die Modellvorhaben bis April 2013 fortgeführt und gefördert werden. Querschnittsorientierte Expertisen begleiten die Modellvorhaben.

Durch die Verstetigung der Arbeit in den Modellregionen wurde die Chance eröffnet,

  • die Tragfähigkeit der bisher erarbeiteten Anpassungsstrategien zu erproben,
  • die Umsetzungsphase weiter zu befördern,
  • die im bisherigen Verlauf des Modellvorhabens entwickelten Stärkungen des raumordnerischen Instrumentariums in der praktischen Anwendung zu begleiten und weiter zu entwickeln sowie
  • den Know-How-Transfer in weitere Regionen zu unterstützen.

Anpassung an den Klimawandel auf kommunaler Ebene:

Stadträume sind aufgrund der Dichte ihrer Bebauung und der Intensität der wirtschaftlichen Tätigkeit besonders sensibel gegenüber Klimaänderungen. Das betrifft vor allem das häufigere und stärkere Auftreten von Starkregen und Hochwasser. Hochsommerliche Hitzeperioden führen dazu, dass sich Städte aufgrund der Versiegelung und der eigenen Wärmeproduktion stärker aufheizen als das Umland. Trockenperioden können zu Wassermangel und Bränden führen. Viele Kommunen haben daher erkannt, dass Klimaschutz alleine nicht ausreicht und urbane Handlungskonzepte zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Klimafolgen integriert entwickelt werden müssen.

Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsvorhaben "Urbane Strategien zum Klimawandel: "Kommunale Strategien und Potenziale" wurden bundesweit neun Modellkommunen ausgewählt. Ziel der neun Kommunen war es entsprechende stadtregionale Strategien und Aktionen zu erarbeiten und umzusetzen. Ausgerichtet an den lokalen Handlungserfordernissen wurden bis Ende 2012 Strategien und Konzepte zur kommunalen Anpassung an den Klimawandel mit innovativen Ansätzen unter Einbindung engagierter Akteursnetzwerke praxisnah und damit konkret erarbeitet. Die Ergebnisse der Modellprojekt wurden auf der Ergebniskonferenz am 09. und 10. Oktober 2012 in Berlin vorgestellt.

Zwar sind die Modellprojekte bis auf Restarbeiten abgeschlossen, das Forschungsfeld läuft aber im Jahr 2013 noch weiter. Zu den weiteren Produkten zählen neben der Aufbereitung der Ergebnisse auch acht wissenschaftliche Expertisen, mit denen zentrale Aufgaben und Fragestellungen aus dem Forschungsfeld aufbereitet werden.

Anpassung an den Klimawandel auf lokaler Ebene

Klimaschutz und Klimaanpassung sind wesentliche Aufgaben der Zukunftssicherung, für die insbesondere Strategien von Unternehmen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft gefragt sind. Im Gebäudebereich gilt es weiterhin, die Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasen zu heben. Insbesondere für private Kleineigentümern und Amateurvermieter könnte die professionelle Unterstützung aus der Immobilien- und Wohnungswirtschaft durch gemeinsame Projekte und Strategien auf Quartierebene hilfreich sein.

Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsvorhabens "Urbane Strategien zum Klimawandel: "Immobilien- und wohnungswirtschaftliche Strategien und Potenziale zum Klimawandel" wurden bundesweit acht Pilotprojekte ausgewählt.

Im Vordergrund des Forschungsvorhabens stehen integrierte Strategien in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung, die über die Betrachtung der Gebäudeebene hinausgehen. Sie beziehen weitere räumliche Ebenen wie das Umfeld, das Quartier sowie planerische Konzepte der Stadt oder Region mit ein. Bei diesen Strategien sollen bereits vorliegende Rahmensetzungen und Planungen der Kommunen und Regionen in innovativer Weise einbezogen und in vorbildlicher Weise umgesetzt bzw. mitgestaltet werden. Solche Strategien können z.B. "Integrierte Klimaschutzkonzepte" auf Quartiers-, Stadt- und Regionsebene bzw. "Integrierte Nachhaltige Stadtentwicklungskonzepte" sein. Dabei sollen auch Strategien und Handlungsvorgaben zur Unterstützung und Beratung von kommunalen und regionalen Rahmenplanungen im Hinblick auf klimarelevante Problemstellungen und Abwägung von Zielkonflikten betrachtet werden.

Erfahrungen zu Konzepten und Maßnahmen zum Klimawandel bei den Pilotprojekten wurden während der zweijährigen Experimentierphase ab Ende April 2010 bis Frühjahr 2012 zusammengetragen und ausgewertet. Die Ergebnisse werden der Fachöffentlichkeit zur Erörterung vorgestellt.

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